rumänische Volksmusik bei den Zilele Bistritei
rumänische Volksmusik bei den Zilele Bistritei

Bürgermeister Ioan Turc und Marita Robertz, Vorsitzende

Die Stadt Bistrita hat nach der „Wende“ die Tradition des Stadtfestes wieder aufgenommen. Im 14. Jh. wurde das Recht auf die Durchführung eines jährlichen Markts Ende August / Anfang September eingeräumt. Inzwischen wurde aus praktischen Gründen der Markt vorverlegt und hat sich zu einem mehrtägigen Kulturfest mit Volksfestcharakter (Zielele Bistriței = Bistritzer Tage) entwickelt. Die Hauptveranstaltungen finden in der Innenstadt statt. Traditionell werden die Partnerstädte hierzu eingeladen. So reiste auch die sechsköpfige Delegation des Städtepartnerschaftskomitees Herzogenrath um die Vorsitzendende Marita Robertz nach Bistrita. Sie wurde von Bürgermeister Ioan Turc und seinem Team herzlich willkommen geheißen. Dieses Mal war Julia Popartac von der Verwaltung unsere ständige Begleiterin, da von uns immer noch keiner fließend des Rumänischen mächtig ist.

Für uns speziell wurde als Programmpunkt ein Stadtrundgang mit einem Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung eingerichtet. So konnten wir mit EU-Geld unterstütze Investitionsprojekte sehen. Neben dem Beginn eines Radnetzes waren dies vor allem ein neues Gymnasium mit einem Spielfeld auf dem Dach der Turnhalle und eine Tageseinrichtung für Altenpflege. Hier wurden wir sogar vom Direktor empfangen und geführt. Die Gespräche drehten sich vor allem um Genehmigungsprozeduren und Kosten. Es stellte sich heraus, dass trotz niedrigerem Lebensstandard einige Baukosten, wie z.B. Straßenpflaster, bei EU-Projekten so viel kosten wie bei uns. Für alle gab es dann noch eine Tour zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie etwa die evangelische Kirche, das Kreismuseum, Häuser der Innenstadt.

Über die rumänische Gastfreundschaft muss man eigentlich nicht berichten. Sie ist sprichwörtlich und so wurden die Gäste immer üppig bewirtet. Eine Änderung ist jedoch erwähnenswert: Das erste Mal musste/durfte man zur Begrüßung, als Zwischengang oder gerne auch zum Abschluss des Essens keinen Schnaps trinken. Auch gab es diesmal keinen Mitarbeiter einer Institution, der zum Probieren des Selbstgebrannten aus der Aktentasche eingeladen hat. Für Viele doch eine Erleichterung.

Das Offizielle Delegationstreffen fand wie gewohnt im Ratssaal statt. Dies ist in Bistrita immer sehr formell, also mit Wimpeln, Fahnen, Hymnen und Ansprachen der Delegationsleiter*innen. Anwesend waren neben den Vertreter*innen der Stadt Bistrita Vertreter*innen aus L’Aquila (Italien), Wels (Österreich), Ungheni (Moldavien) und aus Herzogenrath. Im Anschluss übergab Marita Robertz feierlich eine Skulptur mit der Inschrift

„Keine Kraft ist so stark wie wahre Freunde“

an Bürgermeister Ioan Turc als Ausdruck der herzlichen und freundschaftlichen Verbundenheit der Partnerstädte. Die Partnerstadtbeziehung Bistrita-Herzogenrath feiert übrigens im Jahr 2025 ihr 20-jähriges Jubiläum, das natürlich groß begangen werden soll. Die Skulptur ist diesmal eine kleinere, die zum Aufstellen im Haus vorgesehen ist, nachdem der Größeren im Außengelände rückblickend kein großes Glück beschieden war.

Am Abend wurden die Delegationen dann eingeladen, einem Konzert beizuwohnen. Gewählt wurde ein volkstümliches Trachtenkonzert. Für die Delegationen wurde – quasi „auf dem Präsentierteller“ die erste Stuhlreihe freigehalten, bzw. freigemacht. Es spielte die sehr gut aufgestellte Kapelle „Cununa de pe Someș“ (Krone von Someș). Der Someș ist ein Fluß, in den der Fluß Bistrita über den Șieu und Lechința mündet. Es wurden mehrere Sängerinnen und Sänger begleitet. Der Höhepunkt war dann der Auftritt von Cristian Pomohaci, ein ehemaliger orthodoxer Prieser, der seit 25 Jahren singt. Die Leute kannten viele Texte und sangen mit, dann nahm er ein Bad in der Menge, einige Personen wollten von ihm gesegnet werden, für uns eine doch merkwürdige Sache. Das wurde unsererseits dann anschließend mit einem oder zwei Bieren aus Bistrita wieder ausgeglichen. Hier kann festgestellt werden, dass in Bistrita wieder Bier gebraut wird und auch der Weinbau, der vor der kommunistischen Herrschaft hier einen hohen Stand hatte, wieder Fuß fasst. Man kann auf die Zukunft gespannt sein.

Der Sonntag wurde dann mit einem Ausflug zum Colibița-See gefüllt. Solche Tage ergeben sich einfach, weil nicht jeden Tag günstig geflogen werden kann. Der See wurde mit einem Catamaran befahren. Am Montag ging es dann zurück.

Dieser Besuch, geprägt von Herzlichkeit und Gastfreundschaft, hat wieder gezeigt, wie eng und wie tief das Band zwischen den Partnerstädten Herzogenrath und Bistritz ist.